Schneemangel im Februar? – eine erste Bilanz

Lawinen-Gefahrenstufenskala

Inhalt

Die Lawinengefahrenstufen im Überblick

Im Lawinenlagebericht wird die Lawinengefahr anhand der fünfteiligen europäischen Lawinengefahrenstufenskala beschrieben. Die jeweils ausgegebene Gefahrenstufe gilt immer für eine Region mit einer Fläche von >100 km² und nicht für einen bestimmten Einzelhang. Die Lawinengefahrenstufe ist immer eine Prognose, die mit Unsicherheiten behaftet ist. Sie sollte in jedem Fall vor Ort überprüft werden.

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über wichtige Merkmale, Empfehlungen und Verhaltenshinweise, die sich aus den jeweiligen Gefahrenstufen für den Wintersportler ergeben.

Gefahrenstufe 5 – Sehr Groß

Schneedeckenstabilität
Die Schneedecke ist weitgehend schwach verfestigt und instabil.

Merkmale
Mit der Selbstauslösung vieler sehr großer und extrem großer  Lawinen ist zu rechnen. Flache Bereiche werden überspült. Auch Tallagen sind gefährdet.

Empfehlungen und Zusatzinformationen
Verzicht empfohlen. Wird selten prognostiziert.

Gefahrenstufe 4 – Groß

Schneedeckenstabilität
Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt.

Merkmale
Auslösungen großer und sehr großer Lawinen sind sowohl spontan wie auch bei geringer Zusatzbelastung* wahrscheinlich. Häufig gibt es Wummgeräusche und „shooting cracks“. Fernauslösungen sind typisch.

Empfehlungen und Zusatzinformationen
Sich auf mäßig steiles Gelände beschränken. Auslaufbereiche großer Lawinen beachten. Touren abseits gesicherter Pisten erfordern großes lawinenkundliches Beurteilungsvermögen. Für wenige Tage des Winters prognostiziert. Rund 10% aller tödlichen Lawinenunfälle.

Gefahrenstufe 3 – Erheblich

Schneedeckenstabilität

Schneedeckenstabilitaet Gefahrenstufe3 (c) Bayerisches Kuratorium für alpine Sicherheit

Merkmale
Auslösung großer Lawinen ist sowohl spontan wie auch bei geringer Zusatzbelastung* möglich. Wummgeräusche und „shooting cracks“ sind typisch. Fernauslösungen sind möglich.

Empfehlungen und Zusatzinformationen
Steilhänge der im Lawinenlagebericht angegebenen Expositionen und Höhenlagen möglichst meiden. Touren abseits gesicherter Pisten erfordern lawinenkundliches Beurteilungsvermögen. Für ca. 30% des Winters prognostiziert. Rund die Hälfte aller tödlichen Lawinenunfälle.

Gefahrenstufe 2 – Mäßig

Schneedeckenstabilität

Schneedeckenstabilitaet Gefahrenstufe 2 (c) Bayerisches Kuratorium fuer alpine Sicherheit

Merkmale
Auslösung kleiner und mittelgroßer Lawinen ist insbesondere mit großer (= „vereinzelt auch mit geringer“) Zusatzbelastung** möglich.
Große Lawinen sind nur vereinzelt möglich. Alarmzeichen sind selten. Es gibt deutlich mehr lawinengefährdete Geländebereiche als bei geringer Lawinengefahr.

Empfehlungen und Zusatzinformationen
Vorsichtige Routenwahl. Entlastungsabstände bzw. Einzelfahren an Steilhängen der im Lawinenlagebericht genannten Expositionen und Höhenstufen. Besondere Vorsicht beim Altschneeproblem (schlechter Schneedeckenaufbau). Vor allem beim Nassschneeproblem Einzugsbereiche oberhalb beachten. Für ca. 50% des Winters prognostiziert. Rund ein Drittel aller tödlichen Lawinenunfälle.

Gefahrenstufe 1 – Gering

Schneedeckenstabilität

Schneedeckenstabilitaet Gefahrenstufe 1 (c) Bayerisches Kuratorium fuer alpine Sicherheit

Merkmale
Auslösung mittelgroßer Lawinen ist bei großer Zusatzbelastung** im
extremen Steilgelände möglich. Kleine Lawinen können mit geringer Zusatzbelastung ausgelöst werden. Kleinere spontane Lawinen sind vereinzelt möglich.

Empfehlungen und Zusatzinformationen
Die Gefahr, wegen einer kleinen Lawine abzustürzen, überwiegt oft die Gefahr einer Verschüttung. Extrem steile Hänge einzeln befahren. Für ca. 20% des Winters prognostiziert. Rund 5% aller tödlichen Lawinenunfälle.

Hintergründe zur europäischen Gefahrenstufenskala

1993 haben sich die europäischen Lawinenwarndienste darauf geeinigt, eine einheitliche Lawinengefahrenstufenskala einzuführen. Die gemeinsame Skala definiert die Gefahrenstufe anhand der folgenden drei Parameter:

  • Schneedeckenstabilität
  • Häufigkeit von Gefahrenstellen im Gelände
  • potentielle Lawinengröße

Die Lawinengefahrenstufen – ein vereinfachtes Abbild der komplexen Prozesse in der Natur

Alle Lawinensituationen werden mit der fünfstufigen europäischen Lawinengefahrenstufenskala abgedeckt, selbst wenn sich die Ausprägung der Gefahr für Wintersportlerinnen und Wintersportler, Katastrophenschutzbehörden oder die breite Öffentlichkeit sehr unterschiedlich darstellt. Wichtig ist, dass die Gefahr mit den Gefahrenstufen nicht linear ansteigt, sondern exponentiell. Das bedeutet, dass bei Gefahrenstufe 4 – Groß die Gefahr für Leib und Leben um ein Vielfaches höher ist als bei Gefahrenstufe 2 –Mäßig.  Aber auch innerhalb einer Gefahrenstufe kann die Lawinengefahr sehr unterschiedliche Ausprägungen haben (siehe Grafik 1).

Exponentieller Anstieg der Lawinengefahr mit den fünf Lawinengefahrenstufen.
Grafik 1: Exponentieller Anstieg der Lawinengefahr mit den fünf Lawinengefahrenstufen.

Zum Beispiel entspricht eine Situation, bei der mit großer Zusatzbelastung einzelne große Lawinen ausgelöst werden können (Altschneeproblem) ebenso einer mäßigen Lawinengefahr wie eine Situation, bei der sich kleine Lawinen von selbst lösen. Diese Unterschiede sind mit Kenntnis der Gefahrenstufe allein nicht zu erkennen. Für den Wintersportler ist es aber essenziell wichtig zu wissen, welche Lawinensituation an einem bestimmten Tag herrscht. Daher ist es wichtig, immer auch das Lawinenproblem zu beachten und den Text des Lawinenlageberichts vollständig zu lesen.

Hier geht es zum aktuellen Lawinenlagebericht

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