Kurzfassung
In den bayerischen Alpen war der Februar zu Beginn durch sehr niederschlagsarme und milde Bedingungen geprägt. In vielen Regionen lag die Schneehöhe deutlich unter dem langjährigen Mittel und Skitouren waren häufig nur eingeschränkt möglich. Erst ab der Monatsmitte stellte sich ein markanter Wetterumschwung ein: Mehrere Tiefdruckgebiete brachten ergiebige Schneefälle, stürmischen Wind und stark schwankende Schneefallgrenzen. In der Folge nahm die Schneehöhe in vielen Regionen deutlich zu und die Lawinengefahr stieg markant an.
Besonders während der Faschingswoche (vom 15. bis 23. Februar) fielen verbreitet an die 60 cm Neuschnee, lokal deutlich mehr. Der starke Wind führte zu umfangreichen Schneeverfrachtungen und zur Bildung instabiler Triebschneepakete, wodurch die Lawinensituation vielerorts angespannt war.
Ab dem 23. Februar sorgten milde Luftmassen für Regen bis in höhere Lagen sowie intensive Sonneneinstrahlung zu einer raschen Durchfeuchtung und Setzung der Schneedecke. Dadurch verlagerte sich das Lawinenproblem zunehmend von Neuschnee- und Triebschneeproblemen hin zu einem Nassschneeproblem mit einer erhöhten Gleitschneeaktivität. In den schattigen Hochlagen bestand zudem ein Altschneeproblem. Vermehrt kam es zu Selbstauslösungen von großen, vereinzelt sehr großen Lawinen. Anfang März stellte sich schließlich eine stabile Hochdruckphase mit frühlingshaften Bedingungen ein.
Witterungsverlauf zu Monatsbeginn
Zu Beginn des Februars herrschten in den bayerischen Alpen überwiegend niederschlagsarme und für die Jahreszeit zu milde Bedingungen. Häufig dominierten Hochdrucklagen mit sonnigem Wetter, zeitweise begleitet von Föhneinflüssen und milden Temperaturen. Die Nullgradgrenze lag mehrfach deutlich über 1500 m, wodurch sich die ohnehin geringe Schneedecke weiter ausdünnte.
In vielen Regionen lagen die Schneehöhen deutlich unter dem langjährigen Mittel, teilweise waren südexponierte Hänge bis in größere Höhen weitgehend ausgeapert. Skitouren waren häufig nur eingeschränkt möglich oder beschränkten sich auf höher gelegene Gebiete bzw. Skigebiete. Gleichzeitig zeigte die vorhandene Schneedecke vielerorts einen ungünstigen Aufbau mit kantigen Kristallen (siehe Schneeprofile), ein typisches Altschneeproblem.



Niederschlagsperiode ab Mitte Februar
Ab etwa Mitte Februar setzte eine deutliche Wetterumstellung ein. Mehrere Tiefdruckgebiete führten zu einer anhaltenden Niederschlagsperiode mit ergiebigen Schneefällen, meist begleitet von stürmischem Wind aus westlichen bis nordwestlichen Richtungen. Die Schneefallgrenze schwankte dabei stark und lag zeitweise zwischen Tallagen und etwa 1500 m.
In vielen Regionen summierten sich innerhalb weniger Tage Neuschneemengen von mehreren Dezimetern. Beispielsweise wurden in den mittleren Lagen verbreitet 30 bis 60 cm Neuschnee, in Hochlagen teilweise 60 bis 80 cm oder mehr registriert (Abbildung 1).
Auch in den Vorbergen und östlichen Regionen der bayerischen Alpen führten mehrere aufeinanderfolgende Schneefälle zu einem Neuschneezuwachs von insgesamt etwa einem halben Meter, wobei die Schneefälle häufig von starkem Wind begleitet waren.
In zuvor schneearmen Regionen bildete sich nun wieder eine geschlossene Schneedecke und Skitouren waren teilweise wieder bis in tiefere Lagen möglich.

Entwicklung der Lawinengefahr
Mit den ergiebigen Schneefällen beginnend am 16. Februar und dem gleichzeitig starken Wind stieg die Lawinengefahr deutlich an. Besonders kritisch waren die großen Neuschneemengen in Kombination mit umfangreicher Schneeverfrachtung, wodurch sich in vielen Bereichen störanfällige Triebschneepakete bildeten. Diese lagen häufig auf weichen, schwach gebundenen Schichten oder auf einem kantigen Altschneefundament und konnten daher leicht gestört werden. Neben dem Neu- und Triebschneeproblem war lag ein ausgeprägtes Altschneeproblem (persistent weak layer) vor.
In dieser Zeit stieg die Lawinengefahr kurzzeitig auf Gefahrenstufe 4 (groß) an (17. Februar). Die weiteren Neuschneefälle ließen keine Entspannung der Situation zu: Die Gefahrenstufe 4 wurde erneut vom 20. bis 25. Februar am Allgäuer Hauptkamm sowie in den Werdenfelser und Berchtesgadener Alpen ausgegeben. Hinzu kam, dass am 23. und 24. Februar mit der ausgeprägten Westwetterlage sehr milde Luftmassen herangeführt wurden und die Schneefallgrenze teilweise bis in die hohen Lagen anstieg. In vielen Regionen regnete es zeitweise bis auf 2000 m. Der Wassereintrag führte dazu, dass die Schneedecke vielerorts rasch durchfeuchtete, sich destabilisierte und tiefe Schwachschichten kollabierten. Vermehrt kam es zu Selbstauslösungen von großen, vereinzelt sehr großen Lawinen (siehe Galerie).

Foto: LWZ (22.02.26)

Foto: LWZ (22.02.26)

Foto: LWZ (22.02.26)

Foto: Rath (25.02.2026)

Foto: Graser (27.02.2026)

Foto: Hölzl (25.02.2026)
Wetterumschwung und Nassschneeproblematik am Monatsende
Gegen Ende des Monats stellte sich eine Hochdruckwetterlage ein. Nachts war es häufig klar und es bildete sich vielerorts ein ausgeprägter Schmelzharschdeckel, der tagsüber allmählich wieder aufweichte. Schattseitig blieb die Schneeoberfläche meist ganztägig hart und eisig. Damit stellten sich zunehmend frühlingshafte Verhältnisse mit tageszeitlich gesteuertem Lawinenrisiko ein: Nass- und Gleitschnee war ein Thema. Aber das latente Altschneeproblem in schattigen Hochlagen blieb bestehen und war bei großer Zusatzbelastung nach wie vor ein Thema, wie auch ein Lawinenabgang mit Personenbeteiligung nördlich vom Windschartenkopfs (2211 m) in den Berchtesgadener Alpen gezeigt hat (siehe Fotos).

Foto: Gärtner (28.02.2026)

Foto: Datzmann (28.02.2026)

Foto: Datzmann (28.02.2026)
Übergang in den März
Zu Beginn des März setzten sich die typischen Frühjahrsverhältnisse fort: eine stabile Hochdrucklage mit milden Temperaturen, klaren Nächten und sonnigen Tagen. Die Schneedecke setzte sich weiter und wandelte sich zunehmend zu Schmelzformen um. In vielen Regionen herrschten typische Frühjahrsbedingungen mit Firnfenstern am Vormittag. Gleichzeitig nahm die Schneemächtigkeit in tieferen Lagen rasch ab.
Resümee
Der Winter 2025/2026 war bisher geprägt von milden und schneearmen Verhältnissen. Die Schneehöhen waren fast durchgehend unterdurchschnittlich im Vergleich zu den Vorjahren. Die dünne Schneedecke konnte sich sehr effektiv aufbauend umwandeln und es entstand ein ausgeprägtes Altschneeproblem. Die oben beschriebene Niederschlagsphase ab Mitte Februar in Kombination mit dem für den bayerischen Alpenraum untypischen Altschneeproblem und großer Lawinengefahr über mehrere Tage kann als außergewöhnlich bezeichnet werden und tritt so schätzungsweise nur alle 10 Jahre auf. Es kam im gesamten bayerischen Alpenraum zu einer Reihe von Selbstauslösungen. Besonders betroffen waren hierbei die Allgäuer Alpen mit einer Reihe großer Selbstauslösungen am Wochenende des 21. und 22. sowie am 24. und 25.02.2026. Dokumentiert wurden vielerorts nasse Lockerschneelawinen, Schneebretter mit teils mächtigen Anrissen und Gleitschneelawinen (siehe auch Abbildung 2 und Abbildung 3).
Die heikle Schnee- und Lawinensituation im Februar betraf große Teile des Alpenraumes. Es kam zu vielen tragischen Unfällen, vor allem im ungesicherten Bereich abseits von Pisten. Im Bayerischen Alpenraum kam es während dieser Zeit glücklicherweise zu keinem tödlichen Unfall auf Grund von Lawinen.




