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Winterstart in den Bayerischen Alpen

Mit vergangener Woche hat der Winter in den Bayerischen Alpen Einzug gehalten und uns besonders im Allgäu und im Werdenfels 30 bis 40 cm Neuschnee beschert. In den anderen Regionen sind die Schneefälle weniger ergiebig ausgefallen. Bis Mittwoch kommt weiterer Neuschnee hinzu und winterliche Unternehmungen in den Bergen sind mit Einschränkungen möglich. Höchste Zeit, die Vorbereitungen für die Wintersaison abzuschließen und sich mit der aktuellen Lawinenlage zu beschäftigen.

Die bisherige Wetter- und Schneedeckenentwicklung

Ende letzter Woche fielen verbreitet 20-30 cm Neuschnee unter geringem Windeinfluss aus Nordost in hohen Schattenlagen auf eine dünne, aufbauend umgewandelte Schneeunterlage. Über das Wochenende blieben die Temperaturen niedrig und klare Nächte sorgten weiterhin für eine starke Abstrahlung der Schneedecke. Sie blieb locker und konnte sich weiter aufbauend umwandeln. Starker Wind aus westlichen Richtungen verfrachtete den lockeren Schnee am Sonntag und Montag. Der frische und ältere Triebschnee liegt also auf weichen Schichten, stellenweise auf Oberflächenreif. Die Triebschneeansammlungen sind zwar nicht besonders umfangreich, aber vor allem in der Höhe störanfällig. Bis in eine Höhe von ca. 1700 – 1800 m wurde die Schneeoberfläche am Montag bei positiven Temperaturen und Bewölkung feucht und die Schneedecke setzte sich deutlich.

Schneehöhenkurve an der automatischen Messstation Fellhorn des LWD Bayern auf 1610m Höhe. Die Schneefallereignisse am Montag, 17.11.25, und am Donnerstag, 20.11.25, und Freitag, 21.11.25, sind zu sehen.
Luft- und Oberflächentemperatur an der automatischen Messstation Fellhorn. Gehen die Temperaturkurven weit auseinander, ist das ein Zeichen für starke Abstrahlung. Die Oberflächentemperatur der Schneedecke sinkt dabei stark ab. Bei solchen Bedingungen kann Oberflächenreif wachsen.
Windgeschwindigkeiten an der automatischen Messstation Fellhorn-Kanzelwand auf 1960m. Am Sonntag, 24.11.25, hat der Wind deutlich zugenommen. Der lockere Schnee wird verfrachtet und lagert sich in windabgewandten Bereichen als potenzielles Schneebrett ab. Die lockere Altschneeoberfläche kann dort als störanfällige Zwischenschicht erhalten bleiben.
In der Webcam am Nebelhorn ist die aktuelle Schneeverteilung zu sehen. Rücken und Grate sind stellenweise vom Wind schon wieder freigeblasen. Der Triebschnee lagert sich in windabgewandten Bereichen, Rinnen und Mulden als potenzielles Schneebrett ab. Genau dort bleibt oft die lockere Altschneeoberfläche als störanfällige Zwischenschicht erhalten.

Weiterentwicklung der Schnee- und Lawinensituation im Bayerischen Alpenraum

Bis Mittwochabend sind weitere 20-30 cm Neuschnee prognostiziert, wobei die genaue Menge je nach Wettermodell stark variiert. Der Neuschnee wird voraussichtlich von mäßig bis starkem Wind aus westlichen Richtungen begleitet und verfrachtet. Er lagert sich auf der störanfälligen Schneedecke ab. Der Triebschnee kann daher von Personen leicht als Schneebrettlawine ausgelöst werden. Im Gelände weisen Windzeichen auf den Windeinfluss hin und Triebschnee sollte gemieden werden. Besonders in absturzgefährdetem Gelände und im Bereich von Geländefallen sollte die Lawinengefahr sorgfältig beurteilt werden.

Windzeichen: Schneefahnen an der Zugspitze zeigen die Bildung von Triebschnee an. Foto: Hümmer

Außerdem ist die Gefahr kleiner Gleitschneelawinen zu beachten. Der Boden unter der Schneedecke ist oft nicht gefroren und feucht. Von steilen Wiesenhängen wurden uns bereits Gleitschneerisse gemeldet. Unterhalb dieser Risse sollte man sich nicht aufhalten.

Was neben der aktuellen Lawinenlage zu beachten ist

Vor der ersten Skitour steht der Check der eigenen Sicherheitsausrüstung an. Habe ich meine komplette Notfallausrüstung beisammen (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde, 1. Hilfe-Set, Biwaksack, evtl. Lawinenairbagrucksack) und habe alles auf Funktionsfähigkeit überprüft? Weiß ich, wie ich mit der Ausrüstung im Ernstfall umgehen muss? Wann war meine letzte LVS-Suchübung?

Wichtig ist auch zu wissen, wo man die relevanten Informationen zum Wetter, zur Lawinenlage und aus dem Gelände findet. Dafür steht auf unserer Website ab dem 25. November um 17 Uhr der tägliche Lawinenlagebericht zur Verfügung, genauso wie der Wetterbericht des Deutschen Wetterdienstes für den Bayerischen Alpenraum, die Daten unserer automatischen Messstationen und bald auch wieder aktuelle Schneeprofile. Einen wichtigen Einblick in die Situationen vor Ort geben bei ausreichender Schneelage immer donnerstags oder freitags die Wochenberichte für jede Region. Sie werden von ehrenamtlichen Beobachtern und Beobachterinnen verfasst und geben die Entwicklung der Schneedecke und der Tourenbedingungen wieder.

Ganz unabhängig von der Lawinengefahr stellen Bodenkontakt und Hindernisse aktuell ein großes Verletzungsrisiko dar. Die Schneedecke ist in vielen Bereichen noch locker oder nur geringmächtig und man kommt mit den Ski bis auf den Boden durch. Hindernisse können dünn überschneit sein und übersehen werden.

Bodenkontakt ist häufig noch nicht zu vermeiden. Foto: Seibt

Hinweis auf weitere Infos zur aktuellen Lage:

z.B. auf SNOBS

Welche Eindrücke sammeln andere aus der Tourenszene zu der aktuellen Lawinen- und Schneelage direkt aus dem Gelände? In der öffentlich zugänglichen Webapp SNOBS (SNow OBServations) findet man Einträge aus dem gesamten Alpenraum und kann selbst Informationen teilen. Die Daten sind für alle SNOBS-Nutzer und die teilnehmenden Lawinenwarndienste sichtbar.

z. B auf Social Media

Der Lawinenwarndienst Bayern ist auf den sozialen Kanälen vertreten. Aktuelle Informationen zur Lawinenlage und weitere spannende Themen werden dort genauso wie hier über die Website zeitnah gestreut.

Hier geht’s zu den Profilen:


Hier geht es zum aktuellen Lawinenlagebericht

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