Die Wintersaison 2025/26 war anfangs durch geringe Schneemengen, ein über weite Strecken bestehendes Altschneeproblem und kurzzeitig dann doch immer wieder von sehr starken Schneefällen geprägt.
Die Schneehöhen lagen über den Großteil der Saison hinweg unter dem langjährigen Mittel; insbesondere in tiefen und mittleren Lagen war die Schneedecke häufig nur geringmächtig oder fehlte zeitweise ganz. Lediglich einzelne größere Niederschlagsphasen, wie Ende Februar der Fall, führten kurzfristig zu teils überdurchschnittlichen Schneehöhen. Auch Ende März brachte eine Nordstaulage ausgiebige Schneemengen bis ins Tal und die Schneehöhen erreichten die Höchstwerte des vergangenen Winters.
Gerade aufgrund der geringen Schneemengen zu Beginn des Winters war die Lawinensituation immer wieder kritisch. Ausschlaggebend hierfür war der daraus resultierende Schneedeckenaufbau: Bereits im Frühwinter hat sich eine störanfällige Schicht aus kantigen Kristallen bilden können, die sich im weiteren Saisonverlauf nur unzureichend stabilisiert hat. Dieses langlebige Altschneeproblem stellte über Monate hinweg das dominierende Lawinenproblem dar.



Lawinengefahr im Winter 2025/2026
Frühwinter – Aufbau einer störanfälligen Schneedecke
Bereits im November führten erste ergiebige Schneefälle in Kombination mit anschließender Abkühlung zur Ausbildung einer noch wenig verfestigten Schneedecke. Die Verbindung der Schichten war zunächst ungünstig. Der erste Lawinenlagebericht wurde am 26.11.2025 veröffentlicht.
Im Dezember setzte sich eine überwiegend milde und niederschlagsarme Witterung durch. Niedere Lagen waren oft ausgeapert. Regen bis in hohe Lagen sowie ausgeprägte Inversionswetterlagen führten zum weiteren Abtauen der Schneedecke. In höheren Lagen bildeten sich unter Harschdeckeln durch aufbauende Umwandlung kantige Kristalle, teils auch Becherkristalle. Diese Schichten blieben als schwaches Fundament erhalten, waren vor allem in schattseitigen Hochlagen störanfällig und wurden im weiteren Verlauf der Saison zunehmend lawinenrelevant. Pünktlich zu Weihnachten fiel verbreitet bis in tiefe Lagen etwas Neuschnee, wodurch es in weiten Teilen des Bayerischen Alpenraums zu weißen Weihnachten kam.


Januar – komplexer Schneedeckenaufbau bei geringer Schneemenge
Der Januar war geprägt von wechselhaften Wetterbedingungen mit wiederholten, meist moderaten Schneefällen und zwischenzeitlichen milden Hochdruckeinflüssen. Die Schneehöhen blieben weiterhin unterdurchschnittlichen. Die Schneedecke entwickelte sich zu einem komplexen Schichtsystem mit mehreren, nur schlecht miteinander verbundenen Lagen. Die Basis bildete die bereits im Frühwinter entstandene Altschneedecke, die teils aus Schmelzformen, aber vielerorts auch aus kantigen Kristallen bestand und dann nur eine geringe Festigkeit aufwies. Darauf lagerten sich die Neuschneeschichten mehrerer Niederschlagsereignisse ab, die häufig unter Windeinfluss verfrachtet wurden und zur Bildung von Triebschneeansammlungen führten. Zwischenzeitliche Wärmephasen und Regen bis in die höheren Lagen führten zudem zur Ausbildung von Krusten innerhalb der Schneedecke.
In den anschließenden klaren und kalten Nächten setzte erneut die aufbauende Umwandlung ein, wodurch sich unterhalb dieser Krusten kantige Kristalle bildeten. Insgesamt entstand so ein vielschichtiger und schwacher Schneedeckenaufbau. Das vorhandene Altschneeproblem blieb bestehen und war insbesondere in schattseitigen Höhenlagen weiterhin relevant. Lawinenabgänge beschränkten sich aufgrund der geringen Schneemengen überwiegend noch auf kleinere Lawinen.



Februar – markante Lawinenphase durch Neuschnee und Altschneeproblem
Nach einem zunächst ruhigen, sonnigen und oft von Hochdruck geprägtem Monatsbeginn setzte ab Mitte Februar (20.02.-24.02.2026) eine markante Wetterumstellung ein. Mehrere aufeinanderfolgende Tiefdruckgebiete führten zu einer Niederschlagsphase mit ergiebigen Schneefällen, oft unter starkem Windeinfluss. Innerhalb weniger Tage fielen in vielen Regionen der Bayerischen Alpen große Neuschneemengen, v.a. in den Hochlagen mit z.B. 60 cm auf der Zugspitze innerhalb von 72 Stunden. In Kombination mit dem bereits vorhandenen, störanfälligen Altschneefundament führte dies zu einer deutlichen Verschärfung der Lawinenlage. Neu- und Triebschnee lagerten sich häufig auf kantigen, schlecht gebundenen Schichten ab. Entsprechend konnten Schneebrettlawinen mit geringer Zusatzbelastung ausgelöst werden, auch größeren Ausmaßes. Zusätzlich trugen zwischenzeitlich milde Temperaturen und Regen bis in hohe Lagen zu einer weiteren Destabilisierung der Schneedecke bei. Durch den Wassereintrag wurden ohnehin schwache Altschneeschichten zusätzlich geschwächt. In der Folge kam es vermehrt zu spontanen Abgängen größerer nassen Schneebrett-, Locker- und Gleitschneelawinen.
In dieser Phase stieg die Lawinengefahr deutlich an und erreichte über einen ungewöhnlich langen Zeitraum von sieben Tagen die Gefahrenstufe 4 (groß). Die oben beschriebene Niederschlagsphase ab Mitte Februar in Kombination mit dem für den bayerischen Alpenraum in dieser Ausprägung eher untypischen Altschneeproblem und großer Lawinengefahr über mehrere Tage kann als außergewöhnlich bezeichnet werden. Eine solche Situation tritt so schätzungsweise nur alle zehn Jahre auf. Besonders betroffen waren die Hochlagen der Allgäuer Alpen sowie Teile der Werdenfelser und Berchtesgadener Alpen. Die heikle Schnee- und Lawinensituation im Februar betraf große Teile des Alpenraumes. Im Bayerischen Alpenraum kam es während dieser Zeit glücklicherweise zu keinem tödlichen Unfall auf Grund von Lawinen. Hier geht es zum detaillierten Beitrag, in dem die Lawinensituation vom Februar beschrieben wird.


März – Übergang zu Frühjahrsverhältnissen und erneute Niederschlagsphase
Zu Beginn des März herrschten überwiegend stabile Hochdruckverhältnisse mit frühlingshaften Temperaturen. Die Schneedecke war in vielen Bereichen bereits durchfeuchtet, insbesondere in tiefen und mittleren Lagen. Sonnseitige Hänge aperten zunehmend aus, während sich in schattseitigen Hochlagen das Altschneeproblem weiterhin hielt. Die Schneedeckenstabilität unterlag tageszeitlichen Veränderungen: Nach klaren Nächten bildete sich ein harter, tragfähiger Harschdeckel, der im Tagesverlauf wieder aufweichte. Damit rückte neben der Lawinengefahr auch die Absturzgefahr auf harten Schneeoberflächen in den Fokus. Im weiteren Monatsverlauf kam es zu einzelnen, meist geringeren Niederschlagsereignissen, die jedoch zunächst keine grundlegende Änderung der Lawinensituation bewirkt haben.
Erst gegen Ende März stellte sich eine markante Nordstaulage ein. Innerhalb kurzer Zeit fielen vor allem in den westlichen und nördlichen Alpenabschnitten teils sehr große Neuschneemengen. In den Hochlagen wurden regional bis zu einem Meter Neuschnee, an der Zugspitze sogar 115 cm innerhalb von 48 Stunden gemessen. Gebietsweise fiel zwischenzeitlich auch Graupel, was lokal zu einer erhöhten Instabilität der Schneedecke führte.
In Kombination mit starkem Wind bildeten sich umfangreiche Triebschneeansammlungen. Gleichzeitig war in hochgelegenen, schattseitigen Bereichen weiterhin eine bodennahe Schwachschicht aus kantigen Kristallen vorhanden. Dadurch verschärfte sich die Lawinensituation erneut deutlich. Die Lawinengefahr stieg am 26.03.2026 verbreitet auf erheblich (Gefahrenstufe 3) und regional auch wieder auf groß (Gefahrenstufe 4) an.


April – viel Sonne, wenig Schnee
So schnell wie der Schnee Ende März gekommen ist, so schnell war er Anfang April auch wieder weg. Nur in höheren Lagen verliefen die Schmelz- und Setzungsprozesse etwas langsamer. Allgemein war der April von wechselhaftem Frühlingswetter geprägt. Die Niederschlagsmengen waren allgemein gering. Die Schneedecke zog sich Mitte April zunehmend in die schattigen Hochlagen zurück. Die Südseiten waren bis in eine Höhe von 2.000 m schneefrei, nordseitig gab es ab 1.300 m im Allgäu und 1.500 m in Berchtesgaden noch eine geschlossene Schneedecke. Skitouren waren noch möglich, aber mit längeren Tragepassagen und Anfahrten verbunden.
Die Schneedecke war in allen Höhenlagen stark durchfeuchtet und Nassschnee das dominierende Lawinenproblem. Von einzelnen nassen Locker- und Gleitschneelawinen wurde berichtet. Die Lawinengefahr unterlag in den schneereichen Gebieten häufig einem Tagesgang und stieg hier im Tagesverlauf auf erheblich (Gefahrenstufe 3) oder mäßig (Gefahrenstufe 2) an. In den Vorbergen beschränkte sich eine mögliche Lawinengefahr auf einzelne Stellen mit Schneeresten in den schattseitigen Gipfel- und Kammlagen. Die Lawinengefahr in den Vorbergen war überwiegend gering (Gefahrenstufe 1). Für den 27.04.2026 wurde der letzte Lawinenlagebericht der Saison 2025/2026 verfasst.

Bayerischer Lawinenwarndienst im Winter 2025/2026
Im diesjährigen Winter gab es vor allem in den westlichen Bayerischen Alpen auch in tiefen und mittleren Lagen phasenweise viel Neuschnee. In Kombination mit dem anhaltenden Altschneeproblem oder Nassschneephasen kam es immer wieder zu größeren Lawinenabgängen. Die örtlichen Lawinenkommissionen wurden gefordert und mussten die Lawinenlage für Straßen, Pisten und Winterwanderwegen in diesen Zeiträumen besonders gut im Blick behalten. In den Zeiten mit vielen Lawinenauslösungen (Februar und März) gab es insbesondere im Allgäu und Werdenfelser Land auf Empfehlung der ehrenamtlichen Lawinenkommissionen zahlreiche Straßen- und Wegesperrungen. Auch wenn es in den östlichen Regionen weniger Schnee in den zu überwachenden Bereichen gab, so wurde auch hier die Lawinenlage und örtliche Gefährdung von Infrastruktur von den Lawinenkommissionen über den gesamten Winter hinweg beurteilt.
Wir danken allen ehrenamtlichen Lawinenkommissionsmitgliedern, Beobachterinnen und Beobachtern im Bayerischen Lawinenwarndienst für ihre Einsatzbereitschaft, die einen unersetzbaren Beitrag leisten, um die Bevölkerung vor Lawinenunglücken zu schützen.


